Jahr für Jahr werden auf dem Buchmarkt Weinführer veröffentlicht, in denen sich – meist von designierten Weinexperten eingeteilt – eine Wein-Bewertung an die andere reiht. Ein festgelegtes System gibt es dabei nicht, jeder Weinprüfer geht nach subjektiven Kriterien vor, die allerdings in einigen Fällen schon seit so vielen Jahren so erfolgreich angewendet werden, dass sie sich quasi zu Standards herausgebildet haben. Geht man in Weingeschäfte, bevorzugt um das Erscheinungsdatum der jeweiligen Weinführer herum, findet man einigen Flaschen ihre jeweilige Wein-Bewertung umgehängt. Nicht selten kommt es auch vor, dass bei Wein-Verkostungen die entsprechende Bewertung fachkundig diskutiert wird. Im Laufe der Zeit haben sich die meisten Experten auf ein Einstufungssystem von Punkten festgelegt, deren höchste Punktzahl meist bei hundert liegt; es heißt dann beispielsweise, ein Wein hätte achtundachtzig von hundert Punkten. Hier hören die Gemeinsamkeiten zwischen den Testern aber auch schon wieder auf. Ist man wirklich ein Weinliebhaber von ganzem Herzen, oder möchte den Wein mit allen seinen Facetten zu einem Hobby machen, ist es sicherlich eine gute Investition, die drei, vier wirklich renommierten Weinführer zu kaufen. Nicht zuletzt, weil jeder gute Weinprüfer seinen Ehrgeiz in die Entdeckung kleinerer, relativ unbekannter Weingüter oder junger Önologen legt, deren Weine zu probieren man wahrscheinlich selber übersehen hätte. Auch wenn man sich schon rein beruflich in Kreisen bewegt, die neben einem Grundwissen zu Zigarren ein ebensolches im Hinblick auf die neuesten Wein-Bewertungen voraussetzen, ist solch ein Kauf sicher eine gute Investition. Davon allerdings abgesehen, ist die allerbeste Wein-Bewertung immer die eigene. Es lohnt sich deshalb, statt sich die Weinmeinung Anderer anzueignen, lieber die gleiche Energie in die eigene Geschmacksbildung zu stecken. Denn tatsächlich gibt es interessante und auch sinnvolle Bewertungskriterien für Wein, die man durch sorgfältiges, konzentriertes Schmecken und Vergleichen für sich selbst und die Zusammenstellung seines Weinkellers anwenden kann. Dieses wird im Lauf der Zeit dazu führen, dass der eigene Weinkeller genau wie eine gut geführte Bibliothek den tatsächlichen, höchst individuellen, durchaus subjektiven, aber immer interessanten Geschmack seines Besitzers widerspiegelt, statt nur eine dutzendfach existente Kopie des Kellers eines Anderen zu sein, in dem es eigentlich nichts mehr zu entdecken gibt.
Der eigene Geschmack ist doch die beste Wein-Bewertung
Veröffentlicht am 1 April 2011 unter Allgemein
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